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Dort spielte er die jungen schweren Einsamkeitsverlorenen und verzweifelten Liebhaber, war in den Melancholiewitzsphären Tschechows ein fabelhafter Platonow, clownstrauriger Wanja und (in den “Drei Schwestern”) ein bubenhafter Fast-Ehebrecher Werschinin.
Stadelmaier, Gerhard, Großer charmanter Junge, Füller des Wehlauts, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 21 vom 25. Januar 2014, S. 34.
Ähnlich einsam und insektenmöglich spielte er in Köln ein Jahr später in Flimms Inszenierung den Faust: unter einer großen Operationslampe kriechend, ein komisch kafkaesker Käfer in Habermas-Larve.
Stadelmaier, Gerhard, Großer charmanter Junge, Füller des Wehlauts, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 21 vom 25. Januar 2014, S. 34.
Und Rudolph spielte den Menschenfeind so, als sei er in diesem Falle des Fallens das ideale Opfer: ein noch in seiner Weltangeekeltheit ungemein attraktives Menscheninsekt. Von einer Schicksalsnadel durchbohrt.
Stadelmaier, Gerhard, Großer charmanter Junge, Füller des Wehlauts, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 21 vom 25. Januar 2014, S. 34.
Wären der Streit und die unendliche Geschichte um Macht und Geld im Hause Suhrkamp ein Theaterstück, hätte man bisher die Zerr- und Zerf-Tragödie zwischen Ulla Berkéwicz und ihrem Widersacher Hans Barlach im großen Insolvenz-Bühnebild auf der zuletzt in Schwung gekommenen Aktiengesellschaftsdrehbühne erlebt.
Stadelmaier, Gerhard, Er hat noch gefehlt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 17 vom 21. Januar 2014, S. 27.
In Beiers „Troerinnen“ ist der ganze böse existentialistische Witz von Sartres Übersetzung und Bearbeitung der „Troerinnen“ des Euripides in einer Art Körper-Blabla-Tanztheater-Nummer unter einem gewaltigen KZ-Lautsprecher zerstampft, aus dem Befehle auf die Witwen der getöten Trojaner herniederbrüllen.
Stadelmaier, Gerhard, Man sieht die alten Griechen jetzt oft als solche Siechen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 16 vom 21. Januar 2014, S. 29.
Karin Beier erweist sich hier als wahre Hallodrihine des Regiebetriebs, die sich aus der Boutique der Antike bedient, was ihr gerade assoziativ taugt.
Stadelmaier, Gerhard, Man sieht die alten Griechen jetzt oft als solche Siechen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 16 vom 21. Januar 2014, S. 29.
Man wirft mit zeitgeistigen, von gerade aktuellen Debatten verseuchten Rotzigkeitswürsten nach der Publikumsgelächterspeckseite gelangweilt überheblicher Anspruchslosigkeit.
Stadelmaier, Gerhard, Man sieht die alten Griechen jetzt oft als solche Siechen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 16 vom 21. Januar 2014, S. 29.
Der Dritte, dargewürgt von Gustav Peter Wöhler, dem stiernackigen Spezialisten für geduckt freche hanseatische Spießerzecken, erzählt dem Orest was von Schwarzen Löchern und Urknall und so.
Stadelmaier, Gerhard, Man sieht die alten Griechen jetzt oft als solche Siechen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 16 vom 21. Januar 2014, S. 29.
Der eine, gemimt von Joachim Meyerhoff, dem obligaten glatzköpfigen Hirnriss-Klassenkasper des deutschen Theaters (zuständig fürs höhere Verrückte), hält dem Orest einen ellenlangen Vortrag über Schrödingers Katze, ein berühmtes quantenmechanisches physikalisches Experiment, samt Tafelanschrieb: Von der Katze im geschlossenen Raum könne man nur zu fünfzig Prozent wissen, ob sie tot sei („Also Junge, du bist zu fünfzig Prozent schuldig und zu fünfzig Prozent nicht schuldig“) . Der andere, dahergelabert vom sanften Beiseitesprecher Michael Wittenborn, hält ihm einen Gegenvortrag aus dem Fach der Gehirnforschung.
Stadelmaier, Gerhard, Man sieht die alten Griechen jetzt oft als solche Siechen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 16 vom 21. Januar 2014, S. 29.
Jetzt beginnt ihr wahrer Traum: die Geschichte, die aus den beiden Schmetterlingen wird. Ein Nachtstück? Eine Eintagsfliegenaffäre? Eine Ehe? Eine Katastrophe? Eine Seligkeit? Alles ist möglich. Nichts ist ausgeschlossen. Aber so, wie es jetzt gerade ist, ist es das pure Glück. Mehr muss auch nicht sein. Ovationen.
Stadelmaier, Gerhard, Schmetterlinge küsst man nicht, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 15 vom 18. Januar 2014, S. 31.