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Sein wunderbar distanzsanfter mythenmüder Dandy-Teufel lässt, als sei er einem feminististischen Edel-Horrorfilm entstiegen, die Hand unter den Rock seiner Kino-Nebensitzerin Jutta Lampe wandern, vielmehr: redet davon, dass er sie wandern lassen könnte, wenn er sich dazu entschlösse, in seiner Halbentschlossenheit aber zu nicht mehr kam als zu urkomischen So-nicht!- und So-ginge-es-vielleicht-wenn-ich-wollte!-Verrenkungen.
Stadelmaier, Gerhard, Der Teufel möglicherweise, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 32.
Mit seinen leicht hängenden Schultern am großen, herrenhaft schlanken Körper, dem eminenten schmalen melancholieumflorten Charakterkopf samt den spiegelglastiefen Augen, der tiefen, guttural wie aus modrigen Abgrundgrüften heraufschwingenden Müdigkeitsstimme, die aus Mürb- und Gebrochenheiten ihre Spannung bezieht, bietet sich Robert Hunger-Bühler als Virtuose der Halbentschlossenheit.
Stadelmaier, Gerhard, Der Teufel möglicherweise, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 32.
Zuvor aber liegt sie auch per Video mit Lövborg sauerholzraspelnd Kopf an Kopf, bis sie per Video zwölf Uhr mittags durch Laramy reitet und im schwarzen Schleier einer Cowgirl-Witwe alle Männer und auch das Rivalinnen-Cowgirl Thea niederballert.
Stadelmaier, Gerhard, Keine Frau mit einer Gegenwart, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 29.
Denn Lövborg, den Alexander Khuon in Lederjacke und Schnauzbart als augenliderhängerischen müden Existential-Bluesbruder gibt, liegt per Videoprojektion mit der Frau Elvsted der Anita Vulesica Kopf an Kopf auf der Rückwand:
Stadelmaier, Gerhard, Keine Frau mit einer Gegenwart, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 29.
Dann ist man in den Siebzigern: in einer Lounge mit Wänden voller grellrotgiftigfarbener Tellerlampen, Wippsesseln.
Stadelmaier, Gerhard, Keine Frau mit einer Gegenwart, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 29.
Ein Ausschnittswesen.
Stadelmaier, Gerhard, Keine Frau mit einer Gegenwart, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 29.
Und da nun betritt, nein, beschwebt Nina Hoss die Szene: streng blondgezopfte, schädelumkränzte Timoschenko-Frisur; langes, beigegoldfarbenes, eng anliegendes, durchbrochenes Schleppenseidenkleid mit gewaltig ausgestellten Ärmelpuffern, die wirken, als trage sie steif gefrorene Engelsflügelhöcker. Eine Art Elfenkönigin als Prada-Teufelin.
Stadelmaier, Gerhard, Keine Frau mit einer Gegenwart, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 29.
Aber Heddas privatdozentlicher Ehe-Schlappier Jörgen Tesman ist in Gestalt von Felix Goeser eine Art Lenin-Bartgesicht im Bratenrock, der sich dauernd “Was tun?” zu fragen scheint, sich aber (“Jööööörgeeeen!”) von eine Ostberliner Nöle-Tante höchst komisch überjaulen lässt, die Margit Bendokat als tütelige Ladykillerin vom Prenzlauer Berg zum Nervensägewerk im Schaukelstuhl macht.
Stadelmaier, Gerhard, Keine Frau mit einer Gegenwart, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 29.
Als Hedda Gabler, die große Seltsame, die Henrik Ibsen 1890 in die Eiseskältenhöhe einer Übermenschin hinaufdramatisierte, zum letzten Mal in Recklinghausen bei den Ruhrfestspielen vorbeischaute (2009), hatte sie außer einer Strumpfhose wenig mehr an.
Stadelmaier, Gerhard, Keine Frau mit einer Gegenwart, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 104 vom 6. Mai 2013, S. 29.
Und Claude De Demo als flotte Witwe in langen Mousselinkleidern unter weiten, weißen Pelz-Capes macht aus Fannys erotischer Bubenmördergrube ein witzig auf Spaßkälte heruntergekühltes Herz, das im zotigen Gekicher alleweil nur sich selbst befriedigt. Die beiden werden nichts voneinander haben außer Erfrierungsknutschflecken.
Stadelmaier, Gerhard, Der Höllentanz der Eisheiligen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 87 vom 15. April 2013, S. 27.